Neuerscheinung: Der gerupfte Kiwi

Spitze Notizen vom anderen Ende der Welt

D, CH und A haben NZ zum Fressen gern: Kiwifrüchte im Bioladen, Hirschfleisch bei Aldi, Lammsteaks bei Lidl. Doch der größte Exportschlager Neuseelands ist tatsächlich das Land daselbst. Und das, obwohl die Neuseeländer sympathischerweise im großen Ganzen kein Problem damit haben zuzugeben, dass sie allesamt ganz schön sloppy, also schlampig sind.

Allen Falls‘ just erschienene Episodenerzählung „Der gerupfte Kiwi“ (CONBOOK Verlag, Meerbusch) bringt diese beiden Sichtweisen zusammen und wagt einen verschämten Blick unter den fein-säuberlich gepflegten Rasenteppich Neuseelands. Was er dabei zu Tage fördert, mag manchen von Traumbildern geblendeten Urlauber zum Staunen und die NZ-Fans zum Schimpfen bringen – die meisten jedoch werden die charmant-ironischen Episoden über die Eigenheiten Aotearoas (Maori: Das Land der langen weißen Wolke) so verstehen, wie sie gemeint sind: als bissige Liebeserklärung an das Land am Ende der Welt.

Dort, rechts unterhalb von Australien, beobachtet Falls, der sich trotz neuseeländischer Wurzeln gerne als Kuckuck im Kiwinest bezeichnet, die Menschen und das Leben einer Gesellschaft aus dem Blickwinkel eines Zugereisten mit zentral-europäischer Prägung. Er entdeckt dabei das besondere Aroma einer außergewöhnlichen Nation, die z. B. ihre alltägliche Wäsche fast ausschließlich mit Kaltwasser in evolutionsresistenten technischen Konstruktionen wäscht. Oder mit Vorliebe Insektengiftversprüher installiert, die durch raid automatic in regelmäßigen Abständen und 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche das traute Eigenheim mit Giftausstößen beglücken.

Ebenso zeigen sich die Neuseeländer Falls gegenüber als erstaunlich traditionsbewusst – so sloppy sie anderweitig auch sein mögen, die Pflege von Traditionen liegt ihnen doch sehr am Herzen. Vor allem, wenn es um die Lieblingstradition geht: boozing, das Saufen. Da werden alle plötzlich zu großen Pflegern: Alte wie Junge, Damen wie Herren, Mitarbeiter wie Vorgesetzte – diese natürlich besonders gerne anlässlich der hochoffiziellen Friday’s Drinks.

Der rote Faden der Ironie spannt sich kräftig vom Verhalten post-pubertärer Raser (boy racer) quer durch die love generation NZ (Kiwikopulation) und hinüber zum „großen Bruder“ Australien, der seine Inselnachbarn liebevoll als Ostfriesen des Südpazifiks ansieht.

Allen Falls‘ schier unerschöpflicher Themenfundus rekrutiert sich aus ganz alltäglichen Berichten der neuseeländischen Medien, offiziellen Statistiken und natürlich auch eigenen Erlebnissen. Er bleibt dabei konsequent bei dem, was mit Sicherheit jeder Nationalvogel längst hochnötig hätte: Der Kiwi wird gerupft und zur Feder gelassen.

„Der gerupfte Kiwi“ ist ab sofort überall erhältlich, wo es Bücher gibt.

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Titelinformationen

Allen Falls: Der gerupfte Kiwi - Neuseeland. Fast wie im richtigen Paradies

320 Seiten, illustriertes Taschenbuch, Originalausgabe
€12,95 [D] - €13,30 [A] - sFr. 22,90 (UVP)
ISBN 978-3-934918-49-8