Gudrun Söffker

Gudrun Söffker

Gudrun Söffker ist beständig unterwegs. Prägendes Reiseerlebnis ihrer Jugend war eine herbstliche Überquerung der Ostsee auf dem wunderbarsten Fährschiff des Nordens, der legendären GTS Finnjet. Als Historikerin bewegt sie sich in verschiedenen Museen zwischen Mittelalter und Gegenwart, als Studienreiseleiterin erlebt sie den weiten Norden Europas immer wieder neu. Auch während ihres Studiums in Tromsø/Nordnorwegen, Turku/Südfinnland, Dresden und Göttingen hat sie überall nach neuen Begegnungen mit Menschen und Landschaften gesucht. In vielerlei Kurs- und Vortragsräumen erzählt sie gerne von ihren Erlebnissen. Erkenntnisse möchte sie das nicht nennen, denn hinter jeder Ecke verbirgt sich (hoffentlich) eine neue Wahrheit. Aber sie erkennt sich trotzdem an vielen Orten wieder, an glänzenden stummen Bergseen Nordskandinaviens ebenso wie zwischen den beredten Mauern venezianischer Seitenstraßen. In über 30 Jahren der Nähe und Entfernung vom Harz hat sie nahezu alle Winkel dieser ihrer heimatlichen Berge erkundet und ist sich sicher: Ein paar freundliche Rentiere würden sich am Brocken bestimmt wohlfühlen.

Bei CONBOOK veröffentlicht

Fettnäpfchenführer Finnland

Fettnäpfchenführer Finnland

Wenn der Fisch nicht beißt, spart man den Wurm

Interview

Vollständiger Name: Gudrun Söffker

Geboren: 1979, Göttingen

Warum sind Sie Autor/in geworden?

Weil ich im gleichen Takt schreibe und denke. Mal überholt der Kopf die Hand, mal umgekehrt, aber sie verlieren sich nie aus dem Blick. Sagt das etwas über mein Arbeitstempo?

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Alles! Besonders die ungeplanten Dinge. Aber auch das überraschende Heimatgefühl irgendwo auf der Welt. Oder darf ich das nicht »Heimat« nennen?

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Gut, dass es den nicht gibt. Aber was wären Reiseführer ohne sie?

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen?

Ich bin Genussreisende. Nicht ohne sportliche Herausforderungen, aber ohne Selbstkasteiung. Deshalb kommt Roald Amundsen als Expeditionsleiter doch nicht infrage, das ist schade. Ob er das auch so sieht?

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Missverständnisse finde ich nicht schlimm. Da kann man ja nachfragen ... Was mich stört, ist Unverständnis, weil da die Fragen fehlen. War ich manchmal zu stumm?

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

Ach nein. Das können meine Fettnäpfchenakteure wohl übernehmen. Greta, willst du?

Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft?

In die Zukunft, hoffe ich! Über mich hinaus. Wer kommt mit?

Gudrun Söffker im CONBOOK Magazin

Ein ganz besonderes »fiilis«

Greta hat sich Kaisa Mäkäräinenes Gästebuch angesehen, auf ihrer Homepage. Schließlich muss man als Glücksbär ja wissen, was die Leute so denken. Aber dann hat Greta ganz schnell beschlossen, dass sie nur für die Live-Unterhaltung da ist, dass sie im Stadion hüpfen und klatschen und Fahnen schwenken wird, egal ob es dunstig, kalt, eng oder leer ist, aber dass sie Kaisa nicht online begleiten muss. Im übrigen findet sie, dass die Fans dasselbe machen sollten. Statt Küsse übers Netz zu schicken und sich in selbstverliebten Sprüchen zu gefallen, sollten sie lieber ins Stadion kommen, auch wenn Kaisa keine Chance hat, wie bei der Verfolgung letzten Sonntag. Es gab fast keine Karten mehr, aber die Ränge waren trotzdem nur gut halb gefüllt. Biathlon in Finnland steht und fällt mit Kaisa Mäkäräinen.

Der Sprint am Samstag - die ganze Wahrheit

Lauri hatte recht, denkt Greta auf dem Weg zum Stadion. Als Bär lebt sich´s vielleicht besser. Jetzt in einer herrlichen Höhle liegen, vom Frühling träumen und vom Herbstspeck zehren, der kurz vor dem Einschlafen die Hälfte des Körpergewichts ausmachen kann ... In dieser Hinsicht ist Greta zumindest optisch gut gelungen. Und es erleichtert das Vorankommen durch die Massen, die sich zum Wettkampf schieben: Greta ist eindeutig am breitesten.

Greta lebt auf großem Fuß

Ziemlich dick, aber eigentlich für dieses Wetter gar nicht schlecht. Obwohl es draußen fast zu warm ist, zwanzig Grad weniger wären irgendwie angenehmer. Die Spikes unter ihren Füßen sind nicht zu sehen, aber sie geben guten Halt im überfrorenen Schneematsch. Greta wagt ein paar schnellere Schritte und stolpert. Die Füße sind doch zu groß, jedenfalls im Vergleich zu ihren eigenen. Oder sollte sie Schuhe sagen? Dicke braune Fellschuhe sind es. Leider bleibt schon nach wenigen Metern der Matsch in ihnen hängen und bildet krustige graue Flocken im Kunstfell. Das sieht nicht besonders romantisch aus, aber die wenigsten Zuschauer haben im Moment Interesse an Gretas Füßen. Alle schauen ihr ins Gesicht, oder dorthin, wo ihr Gesicht sein könnte.