Sara Mehlmer

Sara Mehlmer

Sara Mehlmer, Jahrgang 1985, studiert Geschichte, Deutsch und Spanisch in Mainz und nutzt jede Gelegenheit zum Reisen. Im Rahmen ihres Studiums lebte sie 2008/2009 ein Jahr in Spanien. Ihre Liebe zu Mexiko entdeckte sie während ihrer ersten Mittelamerikareise nach dem Abitur, bei der sie zunächst in einem Freiwilligencamp bei Tulúm arbeitete und danach die Gelegenheit nutzte, den Süden Mexikos und Guatemala zu bereisen. Nach ihrem ersten mexikanischen Frühstück mit frischen Maistortillas, Bohnen, Ei und scharfer Soße, gekrönt von einer saftigen Mango, war es um sie geschehen, und bis heute lässt sie die Mexikobegeisterung nicht los. Auch während ihres letzten Aufenthaltes, bei dem sie längere Zeit an einer Schule in Puebla arbeitete, boten sich immer wieder Gelegenheiten, in diverse Fettnäpfchen zu treten - und zu lernen, sie zu umgehen ...

Bei CONBOOK veröffentlicht

Fettnäpfchenführer Mexiko

Fettnäpfchenführer Mexiko

Vom guten Ton im Land der Mariachi

Interview

Vollständiger Name: Sara Mehlmer

Geboren: 1985 in Mainz

Warum sind Sie Autor/in geworden?

Schreiben ist manchmal schweißtreibende Arbeit. Und gerade da liegt für mich die Herausforderung und das Schöne an dieser Tätigkeit: Das manchmal stundenlange Sägen, Schrauben und Feilen an störrischen Formulierungen sollte durch die Leichtigkeit des Ergebnisses so gut getarnt sein, dass alle Anstrengung allein das Geheimnis des Autors bleibt. Ich hoffe, dass mir dies zumindest in Teilen gelingt – ich arbeite noch daran ...

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Irgendein schlauer Kopf (ich glaube es war Francis Bacon) hat einmal gesagt, man solle in fremden Ländern zwar nicht die eigenen Bräuche aufgeben, aber doch von jeder Reise ein paar Blumen mitbringen, um sie in die eigenen Gewohnheiten einzupflanzen. Ich träume davon, irgendwann eine große, bunte Gärtnerei zu besitzen.

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Der schönste Platz der Welt ist für mich dort, wo ich das Gefühl habe, vollkommen angekommen zu sein – ein Moment ohne Getriebensein, ohne Heim- oder Fernweh und ohne die diffuse Sehnsucht nach Veränderung. Das kann in einer Hängematte am Strand von Mazunte sein, aber auch genauso gut beim Einkaufen auf dem Mainzer Wochenmarkt – man weiß nie, wo einen dieses Gefühl erwischt.

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen?

Nun, meine erste Idee – Weltumsegelung mit der Mannschaft Magellans – habe ich bei dem Gedanken an ganze Mahlzeiten aus Würmern und mit Rattenexkrementen verseuchtem Zwieback doch recht schnell wieder verworfen. Und sonst? Vielleicht mit Alexander Humboldt durch Lateinamerika, zu einer Zeit, als Reisen noch nicht den drastischen Ortswechsel in lächerlich kurzer Flugzeit, sondern das Erlebnis des Unterwegsseins bedeutete.

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Eigentlich nagt da nichts mehr. Außer vielleicht das Erlebnis, als ich nach meinem einjährigen Aufenthalt in Spanien strotzend vor Selbstbewusstsein und vollends überzeugt von meinen Spanischkenntnissen meine zweite Reise nach Mexiko antrat und so manchen Mexikaner mit meinem »spanischen«, das heißt lauten, direkten und für mexikanische Verhältnisse rabiaten Auftreten vor den Kopf stieß.

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

Niemand ist frei von Klischeedenken. Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein, denn Klischees können dabei helfen, unsere Welt zu strukturieren und uns ein bisschen die Illusion von Eindeutigkeit und Einfachheit zu geben. Doch Reisen sollte man mit leichtem Gepäck. Daher empfiehlt es sich, die Stereotype von Zeit zu Zeit hervorzukramen, sie abzustauben und nach eingehender Betrachtung entweder als überflüssiges Gewicht über Bord zu werfen oder aber geputzt und sortiert wieder in der mit Subjektivität säuberlich ausgelegten Schublade zu verstauen.

Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft?

Die Frage, die mich momentan beschäftigt, ist weniger das wohin als vielmehr das womit: zu Fuß über die Alpen, mit dem Fahrrad durch Europa oder doch lieber mit dem Auto die Panamericana entlang? Noch bin ich auf der Suche nach der perfekten Art des Reisens, bei der nicht nur das Ankommen, sondern auch der Weg dahin schon das Ziel ist.