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Fellinger, JuliaJulia Fellinger, 1972 in Saarbrücken geboren, wuchs in Bayern auf. Ein Überbein am rechten Mittelfinger zeugt schon früh von einer Leidenschaft fürs Schreiben. Gut, dass es in diesem Fall das Berufsbild des Journalisten gibt, des einsamen Wolfes, der mehr aus Idealismus, denn aus finanzieller Bedürftigkeit die Geschehnisse und Missstände dieser Welt dokumentiert. KurzinterviewVollständiger Name: Julia Fellinger Geboren: 1972 in Saarbrücken Warum sind Sie Autor geworden? "Während meiner Zeit in Norwegen habe ich mir immer wieder mal gedacht: 'Das müsste man mal aufschreiben, das glaubt dir keiner'. Das war zum Beispiel so, als ich mit einer Gruppe von Leuten eine Autotour zu einem Treffen ans gegenüberliegende Ufer des Sognefjord unternommen habe. Es hat wie wild geschneit, die Fähre fuhr nicht und für das einstündige Treffen waren wir sechs Stunden unterwegs. Was sagten die Norweger am Ende der Fahrt zum Abschied? 'Danke für diesen Tag!'" Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert? "Die Sache mit dem Horizont erweitern oder um Neues kennenzulernen versteht sich eigentlich von selbst. Für mich bedeutet Reisen auch: Mal jemand anderes zu sein. In Italien bin ich mal blond verwegen, in Österreich auf der Skipiste die Sportliche. In der Karibik die Abenteurerin und in Norwegen eben die 'bräsige' Deutsche, die gerne mal über die dortige Alkoholpolitik diskutiert." Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt? "Das ist zur Zeit tatsächlich der Teppich bei uns im Wohnzimmer. Dort liege ich oft mit meinen beiden Kindern am Nachmittag, den Kopf auf den Esel Toni gebettet, dem Kuscheltier meines Ältesten. Wir liegen da und erzählen uns den Tag, den wir beim Arbeiten und im Kindergarten verbracht haben! Deshalb: Immer schön auf dem Teppich bleiben!" An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen? "Wenn man in Oslo wohnt, kommt man um regelmäßige Besuche der 'Fram' nicht drumherum. Das ist das Expeditionsschiff, mit dem Fridtjof Nansen und Roald Amundsen den Nordpol bereisten. Das Schiff ist eng, mieft und Frauen waren da natürlich nie zugelassen. Gerade deshalb hätte ich mir genau diese Expeditionen gerne angetan, auch wenn ich nicht gerne friere und unter Platzangst leide. Aber ich wäre gerne dabei gewesen, als diese Herren nichts anderes als die Eiswüste im Kopf hatten - und das jahrelang." Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen? "Ich dachte immer, Sport hat in erster Linie etwas mit Spaß zu tun. Skifahren zum Jux, Schwimmen für die Erfrischung, Wandern zur Entspannung. In Norwegen, wo die Skifahrer im Sommer mit Rollen an den Skiern unterwegs sind und Wandertouren über mehrere Tage gehen können, wurde ich eines anderen belehrt. Hier ist Sport vor allem Herausforderung, die Entscheidung von Sieg und Niederlage, zwischen guten und 'schlechten' Menschen." Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten? "Was das 'Deutschsein' ausmacht, erfährt man wirklich nur durch den Aufenthalt im Ausland. Vorher dachte ich eigentlich, dass ich in erster Linie Mensch, Frau, Freundin bin. Seit ich in Norwegen lebe, sehe ich mich auch kontinental, urban, pedantisch und oft selbstkritisch." Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft? "Größer, weiter, bunter - ganz klar, meine nächste Reise muss mich in die USA führen. Nach all diesem 'Beschaulichen', 'Tüdeligem' und 'Heimeligen' dürste ich nach etwas ganz Großen: New York. Da sind die Leute bestimmt hektischer, lauter, die Lichter bunter, die Preise niedriger. Übrigens stehe ich mit diesem Wunsch nicht alleine da: Viele Norweger haben eine ausgeprägte Sehnsucht nach allem Amerikanischem." |
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