Hat man den Fuß über die Schwelle des PAPANDREOU gesetzt, gibt es alles lecker gegart, eben fast wie im Schlaraffenland, nur dass man freilich dafür berappen muss, aber nicht allzu viel. Für das, was ein Cappuccino und ein Stück Kuchen in einem der chicen Cafés im Thisío-Viertel oder am Sintágma-Platz kostet, bekommt man hier eine ordentliche Mahlzeit mit einem halben Liter Wein. Wasser kommt in Karaffen kostenlos auf den Tisch, dessen Marmorplatte ohne Tischdecke bleibt. Auf die in Tavernen sonst üblichen Papiertischdecken verzichtet man hier. Dafür wird nach jedem Gast die Platte blitzblank gewischt.
Nicht die Einheitskost der Touristenhochburgen wird serviert, sondern alles, was die traditionelle griechische Küche zu bieten hat, dauernd frisch zubereitet, vierundzwanzig Stunden am Tag. Schließlich können die Köche aus dem Vollen schöpfen. Umgeben von Gemüse, Fleisch und Fisch von beeindruckender Artenvielfalt und Frische, zaubern sie Tag um Tag, ja Stunde um Stunde, neue Köstlichkeiten: Lamm in Zitronensauce, Ziegensuppe, Rindfleisch mit Zwiebeln, Calamari in Weinsauce, Aufläufe wie Mousaká, Pastízio und andere Variationen, gefüllte Auberginen, dauernd wechselnde Sorten Gemüse und Fisch, mit Kräutern und Gewürzen gekocht oder im Backofen gegart, und vieles mehr. Will man den durchdrungenen Reispudding, sprich die rohen Tiersaiten und die blutbefleckten, beilschwingenden Metzger vor ihren Hackblöcken, beim Speisen nicht mehr sehen, bleibt einem nur, einen Platz zu wählen, auf dem man das Marktgeschehen im Rücken statt vor den Augen hat. Denn das Lokal ist voll in den Fleischmarkt integriert. Durch die hohen Glastüren und -fenster blickt man auf das Markttreiben.
Das PAPANDREOU erstreckt sich über drei Etagen. Doch zu den meisten Tageszeiten herrscht vorwiegend in der unteren Betrieb. Hier kann man auch direkt an der Theke aus großen Reinen und Schüsseln wählen und in die Küche blicken. Verständigungsschwierigkeiten gibt es wenig, obwohl hier kaum jemand Fremdsprachen spricht, außer ein wenig Englisch vielleicht. Doch Augen und Gesten reichen vollkommen, um das Gewünschte auf den Tisch zu bekommen. In den frühen Morgenstunden kommen die Nachtbummler, um mit einer "Pátsas" genannten Kuttelsuppe den Kater zu vertreiben. Später kommen Marktvolk, Hausfrauen, Spaziergänger, Pärchen und ganze Familien. Alle sind mit sichtbarem Appetit bei der Sache. Auf den Tischen stehen neben Salz und Pfeffer kleine Schälchen mit zerstoßenen trockenen Peperoni und Glasflaschen mit würzigem Essig, in dem zerschnittene Knoblauchzehen schwimmen. Vor allem die Pátsas-Esser streuen beziehungsweise gießen daraus kräftig in ihre tiefen Teller. Die Kellner sind flink, fröhlich und engagiert, vergewissern sich ob es schmeckt, haken nach, ob denn auch wirklich, wenn man etwas zu zögerlich an den riesigen Fischstücken in seinem Teller mit Fischsuppe herumstochert. Ab und zu sitzt Herr Papandreou selbst im Lokal, beobachtet zufrieden das Geschehen, geht an den Tisch des einen oder anderen Gastes und gibt seinen Kellnern Hinweise. Es herrscht ein entspanntes, fröhliches Arbeitsklima. Alle sind emsig, doch keiner scheint gehetzt.
Eine Kleinigkeit essen kann man auch in der anderen der beiden Fleischhallen, die an die Sofokléous-Straße grenzt. Dort befinden sich zwei Ouzerien, wie die griechischen Lokale heißen, die auf das Servieren von Aperitifs mit passenden Happen spezialisiert sind. Als Vorspeise (mezés) sind die hier servierten Sardinen, kleinen Krabben, Fleischbällchen, gebratenen Paprika und Auverginen- und Zucchinischeiben gedacht. Man kann sie entweder als eigenständige Portion oder als "Oúzo me mezé" (wahlweise auch Bier oder Wein "me mezé") genanntes Gedeck bestellen. Probiert man sich durch einige dieser Tellerchen, wird daraus auch schnell eine ganze Mahlzeit.
In einem traditionsreichen Lokal einem beliebten und einflussreichen Musikstil lauschen
Neben den Ouzerien, in der Sofokleous-Straße 19, befindet sich im oberen Stockwerk auch ein traditionsreiches, authentisches Musiklokal namens Stoá ton Athanáton. Nicht Volksmusik, wie sie gern im Rahmen "griechischer Abende" für Touristen vorgetragen wird, bestimmt hier das Programm, sonder Rembétika. So heißen die Lieder und Tänze, die seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in städtischen Subkulturen unter dem Einfluss der von kleinasiatischen Flüchtlingen aus ihrer Heimat mitgebrachten Musiktradition entstanden und sich seither großer Beliebtheit erfreuen. Während der Sommermonate hat das Lokal geschlossen. Erst Ende Oktober öffnet es seine Pforten. Das Programm beginnt spät abends, etwa gegen 23.00 h.
Schillerndes, Schuppiges und Glitschiges aller Formen und Farben