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Roppongi Ripper

Roppongi Ripper

Japan-Krimi

Die spannende Fortsetzung des erfolgreichen Japan-Krimis »Yoyogi Park« (Premium-Taschenbuch, € 12,95 [D], € 13,40 [A], SFr. 18,90* [CH], ISBN 978-3-943176-87-2)

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Roppongi Ripper

Japan-Krimi


Blut auf der Tanzfläche

Sie wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde. Dass sie keine Chance hatte. Dennoch wollte sie nicht bleiben, wollte bloß weg. Weg vom Blut. Als ob sie ihm entkommen könnte. Es verklebte ihr Haar, verschmierte ihr Gesicht, lief ihre Arme hinab, tropfte von ihren Händen. Ihr war schwarz vor Augen. Ihre Beine gehorchten ihr nur widerwillig.

Wie immer um diese Zeit war es laut und überwiegend dunkel im Crystal Bar Room. Die Zeit der lebhaften, weil bezahlten Gespräche zwischen den Gästen und den Hostessen des Clubs war vorbei. Wer jetzt noch hier war, wollte tanzen. Zu einem dumpfen Beat, bei einer Lichtdramaturgie, die einem nur in den Abständen des Stroboskops versicherte, dass die Welt um einen herum noch existierte.

In den meisten Nächten, in denen sie hier arbeitete, tanzte Samantha Lodge gerne mit. Sie war die australische Königin von Roppongi. Es gab kaum jemanden im Vergnügungsviertel, der die junge Hostess nicht kannte. Wenn Sam tanzte, dann wackelten die Pfunde und die Stimmung war auf dem Höhepunkt.

Heute tanzte sie nicht. Heute wackelten nur ihre Knie, als sie die flackernd leuchtende Neontreppe hinunterstakste, hin zur dunklen Tanzfläche, weg vom grellen Waschraum und dem, was sich dort zugetragen hatte. Immer wieder rempelte sie Gäste an, doch die warfen ihr lediglich missmutige Blicke zu, wie einem x-beliebigen betrunkenen Rempler, und widmeten sich wieder ihren Getränken und vorübergehenden Partnern. Den blutigen Gruß, den diese Remplerin an ihrer teuren Kleidung hinterlassen hatte, würden sie erst bemerken, wenn es wieder hell war.

Am Fuß der Treppe, wo die Tanzfläche begann, konnte sie sich endgültig nicht mehr halten. Sie warf sich der nächstbesten Tänzerin an den Hals.

»Hey, Semmu!«, rief die Frau im weißen Kleid freudig überrascht, die japanische Fassung von Samanthas englischem Spitznamen verwendend. Sofort darauf verstummte sie. Semmus Gesicht und Dekolleté waren blutüberströmt. Im irreführenden Licht des Clubs war das Blut so schwarz wie ihr enges Kleid. Trotzdem war offensichtlich, dass es sich nicht um verlaufenes Make-up handelte. Semmus Augenlider flatterten, ihr Mund wollte Worte formen, doch sie kamen ihr nicht über die Lippen.

Mit einem erschrockenen Schrei stieß die Tänzerin Samantha zu Boden. Den Aufprall spürte sie nicht mehr. Da war nur noch Nacht. Sie sah nicht, wie die Menschenmenge um sie herum fluchtartig in die Ecken des Raumes zurückwich, hörte nicht, wie sich der erste Schrei durch den ganzen Saal wie ein Echo fortsetzte.

 

Yuka in der Kälte

Zum ersten Mal seit Langem war Inspector Yuka Sato kalt. Sehr kalt.

Wie angenehm. Wenigstens in den Krankenhäusern, auch in den Gängen des Aiiku-Hospitals in Roppongi, durften die Klimaanlagen noch uneingeschränkt ihren Dienst tun. An so gut wie jedem anderen Ort musste Strom gespart werden. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima waren alle Kernreaktoren des Landes heruntergefahren worden. Auch jetzt, Monate später, war kein einziger wieder in Betrieb. Energiereserven gab es reichlich, doch für einen Luxus wie kühle Luft sollten sie nach Möglichkeit nicht verschwendet werden, glühend heißer Hochsommer hin oder her.

»Verzeihung, was machen Sie hier? Jetzt ist keine Besuchszeit.« Die Stimme einer älteren Krankenschwester riss Yuka aus ihrem meditativen Moment genossener Kühle. Eine Stimme mit einer dünnen Oberfläche aus Freundlichkeit, unter der deutlich autoritäre Strenge schimmerte.

»Ich bin keine Besucherin, ich bin Polizistin.« Sie zeigte ihren Dienstausweis.

Die Schwester beugte sich vor und schaute sich das Foto darin ganz genau an. Es war relativ aktuell, kurz nach Yukas 30. Geburtstag aufgenommen, als sie von der Abteilung für Sittlichkeitsverbrechen in die Abteilung für Gewaltverbrechen gewechselt war. Durch eine Verquickung von Stress und Hitze war ihr Gesicht momentan ein wenig schmaler als auf dem Foto, und die langen schwarzen Haare hatte sie hochgesteckt, um Luft an Hals und Nacken zu lassen, doch sie war eindeutig zu erkennen. »Ja, das sind wohl Sie«, räumte die Schwester ein. Ihr Ton wurde jovial. »Kann ich Ihnen helfen?«

»Ich bin hier wegen des Vorfalls im Crystal Bar Room.«

»Ach, davon habe ich gehört. Wie schrecklich. Aber die Leiche hat man nicht hierher gebracht, auch wenn wir das nächste Krankenhaus sind. Dafür sind wir nicht ausgestattet. Aber ich kann mich für Sie erkundigen, wenn Sie wollen.«

Yuka winkte ab. »Ich bin nicht wegen der Leiche hier.« – ›Genau genommen bin ich gar nicht dienstlich hier.‹ Aber das musste die Schwester nicht unbedingt wissen. Yuka schilderte ihr Anliegen, und die Schwester wies ihr den Weg. Auf dem Weg durch Gänge und Wartebereiche registrierte sie ein deutlich höheres Patientenaufkommen als üblich. Die meisten der akuten Fälle waren Opfer der Hitze. Die Zahl der saisonalen Hitzschlagpatienten in der Region ging bereits in die Hunderte, vereinzelt hatte es sogar Todesfälle gegeben.

Yuka war erleichtert, heute nicht zu einem Todesfall unterwegs zu sein.

***

»Du siehst schlecht aus«, krächzte Samantha Lodge aus ihrem Bett.

Trotz ihrer großen Sorge um ihre Freundin musste Yuka lachen. »Es ist eine Affenhitze da draußen! Das einzige, was schlimmer ist als der Umstand, dass mein Deo versagt hat, ist, dass das von allen anderen ebenfalls versagt hat.«

»Dann bleibe ich lieber noch etwas hier liegen.« Sam lächelte matt.

Yuka erwiderte das Lächeln. »Das geht nicht. Du musst mir doch bei den Hausaufgaben helfen. Nächste Woche ist der Test.« Sam war nicht nur ihre Freundin und Nachbarin, sondern auch ihre Englischlehrerin. Momentan bereiteten sie Yuka darauf vor, den TOEIC-Test zu machen. Das hieß: gemacht hatte sie ihn schon öfter. Diesmal hofften sie, dass sie ihn auch bestehen würde.

»Du kannst deine Hausaufgaben ja mit ins Krankenhaus bringen. Hier ist es zumindest klimatisiert.«

»Bei uns zu Hause auch. Da würde ich dich lieber sehen.« Yuka strich ihrer Freundin sanft durchs Haar. An einigen Stellen war es nach wie vor blutverkrustet, trotz der gründlichen Säuberung durch die Krankenschwester. »Du hast allen einen ganz schönen Schrecken eingejagt.«

»Tut mir leid.« Seit Yuka Sam kannte, hatte diese nie so leise gesprochen. »Du willst bestimmt ganz genau wissen, was passiert ist. Was ich gesehen habe.«

Yuka schüttelte den Kopf. Die Bewegung war eine Lüge. Selbstverständlich brannte sie darauf, mehr über den Mord zu erfahren, doch sie wollte Sam für den Moment nicht noch größerem Stress aussetzen. »Ich bin hier als Freundin, nicht als Polizistin. Ich weiß auch gar nicht, ob ich den Fall übernehmen kann. Ist nicht gerade mein Revier.«

»Möchtest du denn?«

»Ja. Ich will nicht, dass die Sache verschleppt wird. Ich nehme das irgendwie persönlich.«

»Die hatten es ja nicht auf mich abgesehen ...«

»Trotzdem bist du eine Leidtragende. Als du hier eingeliefert wurdest, haben alle gedacht, es wäre dein Blut.«

»Ich war so fertig, dass ich das selbst geglaubt habe.«

»Du hast gesagt, die hatten es nicht auf dich abgesehen? Waren es mehrere?« Ob Privatbesuch oder nicht, Yuka konnte die Polizistin nicht komplett ausknipsen.

»Ich weiß es nicht. Ich bin davon ausgegangen. Das war so heftig. Da war einfach so viel ...« Sam ließ den Satz unvollendet, setzte neu an. »Ich kam in die Toilette und da sah ich sie über die Kloschüssel gebeugt. Dass der Boden voller Blut war, hatte ich erst gar nicht gesehen. Ich kannte sie flüchtig. Sie war neu. Ich dachte, ihr wäre schlecht, dass sie nervös war oder es etwas mit dem Champagner übertrieben hatte. Ich wollte sie nur fragen, ob alles in Ordnung ist und berührte ihre Schulter und ... da waren nur noch die Schultern. Dann sah ich das Blut überall in der Kabine, und ich fiel rückwärts, auf den Boden, ihr ... ihr Körper fiel auf mich ... ich kroch zur Tür, und sie schien an mir hängen zu bleiben ... ich dachte, ich werde sie nie wieder los ...« In ihren Augenwinkeln sammelten sich Tränen.

Yuka legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen. »Wir reden später darüber. Du solltest jetzt ein bisschen schlafen.«

»Nein! Wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer ihren Kopf vor mir. Und die Musik. Ich höre die Musik.«


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