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London-Woche

Als spannende und vielseitige Stadt ist London das beliebteste Reiseziel für Städtetrips. Gerade die Vielseitigkeit Londons führt jedoch zu dem Nebeneffekt, dass man bei einem einzelnen Besuch normalerweise nur einen oberflächlichen Eindruck von der pulsierenden Metropole erhält.

In seinem neuen »Fettnäpfchenführer London« präsentiert unser Autor Michael Pohl das London der Londoner, gibt einen Einblick in das Lebensgefühl, das diese Stadt ausmacht, und hilfreiche Tipps, wie man diesem Lebensgefühl nachspüren kann. Damit man am Ende der Londonreise nicht feststellen muss, nur an der Oberfläche gekratzt zu haben. Dass dem Reisenden dabei die eine oder andere Wunderlichkeit begegnen wird, versteht sich von selbst!

Hier präsentieren wir Ihnen sieben Tipps für einen unvergesslichen London-Besuch, mit Hilfe derer Sie z.B. im Verlauf einer Woche die britische Metropole intensiv erleben können. Wer daraufhin Lust hat, sich tiefer in die Faszination Londons einzufühlen: Der »Fettnäpfchenführer London« ist im Buchhandel erhältlich.

Montag: Das Traditionskaufhaus Harrods

Das aufwendige Gebäude aus rötlichem Stein an der Brompton Road ist eines der größten Warenhäuser der Welt. Im Jahr 1834 von Charles Henry Harrod gegründet, entwickelte sich das Unternehmen schnell zu dem Einkaufsort der noblen Londoner Gesellschaft schlechthin.

Über viele Jahrzehnte war es offizieller Hoflieferant für die königliche Familie – bis der damalige Inhaber Mohamed Al-Fayed zunehmend öffentlich Kritik am Königshaus übte. Er machte es mitverantwortlich für den Tod seines Sohnes Dodi, der 1997 zusammen mit Prinzessin Diana in Paris bei einem Autounfall ums Leben kam. Zudem äußerte er sich mehrfach negativ über Prinz Philipp, der ihm daraufhin den Status als Hoflieferant entzog. Andere Mitglieder der Familie folgten seinem Beispiel.

Heute gehört Harrods der Qatar Holdings. Sehenswert ist unter anderem die Lebensmittelabteilung. Vor allem unter Touristen beliebt ist der Weihnachts-Teddy, ein Stoffbär in jährlich wechselndem Outfit.

Adresse: 87–135 Brompton Road, London SW1X 7XL
www.harrods.com
Geöffnet: Mo–Sa 10–20 Uhr, So 12–18 Uhr
U-Bahn-Station: Knightsbridge

Dienstag: Camden - der Stadtteil der Musik

Die ganz großen Zeiten mögen vorbei sein, doch nach wie vor gilt der nördliche Stadtteil Camden als Wiege der britischen Popmusik – nicht zuletzt durch den Tod der Sängerin Amy Winehouse im Jahr 2011. Sie starb durch eine Alkoholvergiftung und wurde in Camden aufgefunden. Das bestätigte viele in ihrem Bild des Stadtteils: Musik, Drogen und Alkohol haften ihm spätestens seit den sechziger Jahren an.

Doch das führt auch zu einer gewissen magischen Anziehungskraft: Neben Winehouse siedelten immer wieder bekannte Musiker hier in den Norden der britischen Hauptstadt über. Die Stadtverwaltung ist deswegen seit einiger Zeit dabei, in der Camden High Street und deren Verlängerung Chalk Farm Road eine Art »Music Walk of Fame« zu installieren – Schallplatten im Boden, die ähnlich dem Hollywood Walk of Fame bekannte Musiker der Stadt würdigen sollen.

Ein Auftritt von Pink Floyd im Oktober 1966 markiert so etwas wie den Start der großen Zeit Camdens als Zentrum der britischen Musikszene. Im Roundhouse, einem früheren Eisenbahngebäude, kam es zu einem Konzert, das den späteren Stil der Band prägen sollte. Viele weitere Bands und Künstler folgten in den Jahren danach: Jimi Hendrix, The Doors, Cream und etliche weitere. Zum Roundhouse, das bis heute als einer der Topveranstaltungsorte Londons gilt, gesellten sich schnell weitere Konzerthallen:

Dingwalls
www.dingwalls.com
Adresse: 11 Middle Yard, Camden Lock
U-Bahn-Station: Chalk Farm

Camden Palace (heute KOKO)
www.koko.uk.com
Adresse: 1a Camden High Street
U-Bahn-Station: Mornington Crescent

Electric Ballroom
electricballroom.co.uk
Adresse: 184 Camden High Street
U-Bahn-Station: Camden Town

Mittwoch: Londons schönste Märkte

Wer genau hinschaut, sieht, dass London voller Wochen- und Trödelmärkte ist. Sie finden nur nicht alle an jedem Tag statt. Es gibt welche für Lebensmittel, andere für Antiquitäten oder Blumen, wieder andere überwiegend für Bekleidung. Und dann wieder welche, die alles zusammen anbieten. Einige tun dies nur sonnabends, andere an (fast) jedem Tag der Woche.

Ein Marktbummel will, wie im Grunde in Deutschland auch, gut vorbereitet sein. Das Wichtigste: Die Märkte orientieren sich eher an nordeuropäischen als an südeuropäischen Handelsgewohnheiten. Feilschen ist wie im gesamten Vereinigten Königreich eher die Ausnahme, wenngleich viele Händler einem durchaus einen Mengenrabatt oder Ähnliches anbieten.

Drei Highlights aus der Vielzahl Londoner Wochen- und Trödelmärkte:

Brick Lane Market: Londons buntester Flohmarkt – an jedem Sonnabend verwandelt sich die Brick Lane in eine Trödelmeile, im Angebot sind unter anderem Möbel, Bekleidung und Platten.

Adresse: Brick Lane, London
www.visitbricklane.org
Geöffnet: Sa 10–17 Uhr
U-Bahn-Station: Whitechapel/Shoreditch High Street

Portobello Road Market: Der nach eigenen Aussagen »größte Antiquitätenmarkt der Welt«. Mehr als 1.000 Händler bauen hier ihre Stände auf beziehungsweise öffnen ihre kleinen Läden zur Straße hin.

Adresse: Portobello Road, London W11
www.portobellomarket.org
Geöffnet: Mo–Sa 9–18 Uhr (Do bis 13 Uhr), Sa 7–17.30 Uhr auch Antiquitäten, sonst überwiegend Lebensmittel und Bekleidung
U-Bahn-Station: Notting Hill Gate

Brixton Market: Mehrere Einzelmärkte, die ein Gesamtensemble bilden, darunter ein Trödelmarkt unter Arkaden sowie ein ganz normaler Straßenflohmarkt.

Adresse: Electric Avenue, London SW9 8JP
www.brixtonmarket.net
Geöffnet: Mo–Do/Sa 8–18 Uhr (Mi bis 15 Uhr)
U-Bahn-Station: Brixton

Donnerstag: Die Themse, Londons Lebensader

Die Themse ist so etwas wie die Lebensader Londons. Ein Spaziergang entlang des Ufers ist im Innenstadtbereich vor allem auf der Südseite ein Erlebnis: Von der Westminster Bridge führt der Weg vorbei am London Eye, der Royal Festival Hall, Tate Modern, dem Globe Theatre, der City Hall, Tower Bridge und den alten Docks von Butlers Wharf. Immer im Blick: Die Innenstadt Londons auf der anderen Uferseite mit der stets präsenten Kuppel von St. Paul's.

Die Themse ist durch die Nähe zur Nordsee nicht nur das Eingangstor zur Stadt, sondern ins ganze Land. Römer, Sachsen, Normannen und Wikinger versuchten von hier aus, die komplette Insel zu erobern. Nicht alle von ihnen sind bekanntermaßen weit gekommen. Das Zentrum ihrer Herrschaft aber blieb über viele Jahrhunderte die Stadt an der Themse.

Der Fluss entspringt in 110 Metern über dem Meeresspiegel in Thames Head in der Nähe von Kemble in den Cotswolds. Er fließt eher beschaulich durch Oxford, Reading und Windsor, bevor er in London zu ihrer schiffbaren Breite wächst. Bei Southend-on-Sea mündet die Themse in die Nordsee.

Freitag: Londons Pubs

Londons Kneipenszene hat für jeden Anlass etwas zu bieten. Beispiele gefällig?

Der beste Pub für einen romantischen Abend:

The Dove: Idyllisches Lokal direkt an der Themse mit Lagerfeuer, Außenplätzen und abendlichem Kerzenschein. Romantischer geht’s nicht.
www.dovehammersmith.co.uk
Adresse: 19 Upper Mall, Hammersmith, London W6 9TA
Telefon: (020) 87 48 94 74
U-Bahn-Station: Ravenscort Park

Der beste Pub für einen hippen Abend:

St. Chads Place: Vor einigen Jahrzehnten wäre man nie freiwillig in diese Gegend gekommen, doch nun wandeln sich die alten Lagerhäuser in ein hippes Viertel: Dieser große Pub mit Restaurant ist in einem viktorianischen Industriegebäude untergebracht, dezent durchgestylt im minimalistisch skandinavischen Design.
www.6stchadsplace.com
Adresse: 6 St Chad's Place, London WC1
Telefon: (020) 72 78 33 55
U-Bahn-Station: King's Cross

Der beste Pub für einen günstigen Abend:

The Gatehouse: Traditioneller Pub, in den die Leute vor allem wegen der günstigen Preise für Essen und Getränke kommen. Ein Pint Bier startet bei rund 2 Pfund – was für Londoner Verhältnisse überaus günstig ist.
www.jdwetherspoon.co.uk/home/pubs/the-gatehouse-highgate
Adresse: 1 North Road, Highgate, London N6 4BD
Telefon: (020) 83 40 80 54
U-Bahn-Station: Highgate

Samstag: London, die Theaterstadt

Vermutlich im 16. Jahrhundert entstand in London das erste Theater der Stadt, das »Theatre« in Shoreditch. Es war jenes Theater, das 1599 abgetragen wurde, um Bestandteile wie das Holz für den Bau von William Shakespeares Globe Theatre in Southwark zu nutzen.

Mit dem Theatre Royal folgte 1663 an der heutigen Drury Lane das erste Theater im West End. Heute steht an seiner Stelle ein Nachfolgegebäude mit demselben Namen, da der Ursprungsbau schon nach wenigen Jahren einem Feuer zum Opfer fiel. Weitere Theater folgten in den nächsten Jahrzehnten, etwa das Queen's Theatre (1705), das heute unter dem Namen Her Majesty's Theatre besteht, das Haymarket Theatre (1720), das Theatre Royal (1732) oder das Adelphi Theatre (1806).

Die Eröffnung zahlreicher kleinerer Bühnen zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann den Ruf des West End als »Theaterland« zu festigen. Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges entstanden in dieser Gegend immer wieder neue Theater. Um die 40 sind es noch immer.

Während klassische Theater damals auf Dramen setzten und sich dadurch eher an eine elitäres Publikum richteten, widmeten sich zunehmend Musicalbühnen dem einfachen Volk. Das Ziel: Theater für jedermann, unterhaltsam und günstig. Der Begriff »Musical« war zu jener Zeit im frühen 19. Jahrhundert noch gar nicht etabliert. Die Besucher gingen vielmehr in »Music Halls«. Erst in den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Musical in seiner heutigen Form, und zwar, indem immer mehr Elemente aus Operette, Varieté und gewöhnlichen Theaterstücken miteinander kombiniert wurden.

London gilt zusammen mit New York als so etwas wie die Keimzelle der Musicals, wie sie heute auf der ganzen Welt gespielt werden.

Eines der beliebstesten Musicaltheater Londons ist das Palace Theatre. ein baulich fast palastartig anmutendes Theater im West End. Es eröffnete 1891 noch unter dem Namen Royal English Opera House, wurde aber bereits 1911 umbenannt.
www.palacetheatrelondon.org
Adresse: 113 Shaftesbury Avenue, London W1D 5AY
Telefon: (020) 84 44 12 46 56
U-Bahn-Station: Leicester Square

Sonntag: Das Wembley-Stadion, Londons Fußball-Kathedrale

Es ist so etwas wie eine Pilgerstätte für britische wie deutsche Fußballfans: Im Wembley-Stadion im Norden Londons ereignete sich während der Fußball-WM 1966 ein heute als »Wembley-Tor« bekannter Schuss: Im Endspiel zwischen England und Deutschland schoss Geoff Hurst aufs Tor der Deutschen, der Ball landete auf der Torlinie, rollte jedoch nicht darüber. Dennoch wurde das Tor gezählt, sodass es zum 3:2 für England kam, das in der restlichen Spielzeit noch zu einem 4:2-Sieg ausgebaut wurde. England wurde Weltmeister.

Das Stadion von einst, das 1985 auch Austragungsort des legendären Live-Aid-Konzertes war, gibt es genau genommen nicht mehr: »Old Wembley« von 1923 mit seinen beiden majestätischen Türmen am Eingangsbereich wurde 2003 abgerissen, um einem Neubau zu weichen. Das neue Wembley-Stadion steht an derselben Stelle und wurde 2007 eröffnet. Es zählt heute 90.000 Plätze und gehört dem englischen Fußballverband FA. Insofern wird es im Wesentlichen als Stadion für Länderspiele genutzt.

Der Fußballer Pelé nannte das Wembley-Stadion einmal die »Kathedrale des Fußballs«. Auch wenn der Ursprungsbau inzwischen abgerissen ist, so ist auch »New Wembley« durchaus einen Besuch wert. Die Football Association bietet 75-minütige Touren durch das Stadion an, bei denen man nicht nur den Innenraum sieht, sondern auch die Umkleidekabinen. Außerdem kann man die berühmtem Stufen hinaufschreiten, die die Sieger eines Spiels üblicherweise bei der Pokalübergabe zurücklegen.

www.wembleystadium.com
Adresse: Royal Route, Wembley, London HA9 0WS
U-Bahn-Station: Wembley Park

Lesenswert

Folgende Bücher empfehlen wir als Lektüre

Der »Fettnäpfchenführer London« schickt Sie auf einen Städtetrip, der keine Wünsche offen lässt, und zeigt Ihnen London, wie es nur die Londoner selbst kennen.

Fettnäpfchenführer London

Ein Reiseknigge für das größte Dorf Englands - Stadt-Edition

Ein praktischer Führer zur blamagefreien Neuentdeckung der britischen Metropole (Taschenbuch mit bedruckten Einbandklappen, € 9,95 [D], € 10,30 [A], SFr. 14,90* [CH], ISBN 978-3-943176-73-5)