Emma Bessi

Emma Bessi, geboren 1993 in Bremerhaven, wurden die Fernreisen schon in die Wiege gelegt: Ihr Vater stammt aus Algerien, ihre Mutter aus Deutschland. Durch ihr Geschichtsstudium und ihre Ausbildung zur Journalistin ist sie häufig in den Nahen Osten, nach Zentralasien und Amerika gereist. Wohin sie ihre nächste Reise führen wird, möchte sie aber erst mal mit ihren beiden Nichten besprechen.

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Bei CONBOOK erschienen

Interview

Warum sind Sie Autorin geworden?

Naja, bei einem geisteswissenschaftlichen Studium, einer Ausbildung zur Journalistin und vielen Reisen ist es, denke ich, selbsterklärend.

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Lohnenswert und nicht lohnenswert hält sich beim Reisen tatsächlich die Waage. Lohnenswert ist auf jeden Fall, dass bestimmt 90 Prozent der Vorurteile gegenüber anderen Sitten und Gebräuchen der Tausenden Kulturen, die wir auf der Welt haben, Quatsch sind oder nur in abgeschwächter Form wiederzufinden sind. Und das ist eine große Bereicherung.

Nicht lohnenswert sind für mich Reisen in Krisengebiete, wo ich dann auch Zeuge werde, wie grausam Menschen, insbesondere ihren Landmännern gegenüber, sein können.

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Viele Orte sind für mich die schönsten Plätze der Welt, aber auf ihre ganz eigene Art und Weise. Ich liebe Kiew mit den tollen und außergewöhnlichen Cafés und den Charme der ukrainischen Hauptstadt. Aber ich liebe auch Astana, Kasachstans Hauptstadt, die in den letzten 15 Jahren aufgebaut wurde. Zwischen den ungewöhnlichen und dennoch faszinierenden Gebäuden sieht man immer wieder das Steppengras und das, wofür Kasachstan bekannt ist: seine Steppen und die unglaubliche und auch nicht aufgesetzte Gastfreundschaft der Steppenbewohner.

Dann liebe ich Philadelphia aufgrund der Geschichte, der Leute und teilweise auch der Ghettos, in denen ich seit Jahren von einem Großteil fürsorglich behandelt werde.

Dann ist da auch noch Rothenburg ob der Tauber mit seinem mittelalterlichen Flair. In Pluscarden Abbey an der Grenze zu den schottischen Highlands finde ich immer meine Ruhe. Ich liebe Mönche, die auf ihre ganz bestimmte Art und Weise glauben.

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen?

Ich gestalte meine eigenen Expeditionen. Ich möchte tiefer nach Russland reisen und weiter die 1.000 Kulturen und Völker des Landes kennenlernen, an denen immer noch diese Vorurteile und Klischees aus Zeiten des Kalten Krieges hängen. Ich war in allen postsowjetischen Staaten und es ist traurig und ärgerlich zugleich, dass die meisten meiner Mitmenschen Unrecht haben mit dem, was mir über die osteuropäische und zentralasiatische Bevölkerung gesagt wird.

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Spontan fällt mir keines ein. Ich komme aus einer sehr multikulturellen Familie. Mein Vater stammt aus Algerien, meine Mutter aus Deutschland. Ich habe Geschichte studiert und eine Ausbildung zur Journalistin gemacht, was mich häufig in den Nahen Osten, nach Zentralasien und Amerika gebracht hat. Natürlich werden eine paar »Stereotypen« bestätigt, aber nicht in dem Ausmaß, wie wir es sonst zu hören bekommen. Und das ist auch gut so.

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

Ich kann mich nicht an meinem schönsten Tag vor dem Fernseher erinnern. Aber ich kann mich an den Moment erinnern, als ich mein erstes Buch zu Ende gelesen und anschließend aus dem Zugfenster auf ein kleines Schloss mittem auf dem Rhein geschaut habe. Da war ich sieben.

Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft?

Muss ich mit meinen Nichten besprechen.

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