Jens Olaf Berger

Jens Olaf Berger wuchs in Braunschweig auf und studierte in Freiburg Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft. Er verlor schon früh sein Herz an die klassische Musik, organisierte Konzerte, verglich fürs Radio neue CDs, setzte Noten und übersetzte das dicke Lehrbuch, das erklärt, wie man Noten überhaupt am besten setzen sollte. So wirkte er als Dramaturg für Festivals, Orchester und Chöre.

Vor zwölf Jahren wagte er den Schritt über die Donau und lebt nun als freier Autor, Redakteur und Übersetzer in München. Seither hat er sich als »Zuagroaster« Bayern erarbeitet, das ihm eine geliebte Wahlheimat wurde. Er weiß, wie es ist, anfangs wenig zu verstehen und missverstanden zu werden. Da half ihm Musik- und Sprachstudium nur wenig. Erst durch bayrische Kollegen am Radioschneidepult erschloss sich ihm der feine hintersinnige Geist, der nichts mit großmäuliger Bierseligkeit zu tun hat, die den Hiesigen oft unterstellt wird. Und so kam er auch an den einen oder anderen Tipp, der manchen »Preissn« vielleicht nicht verraten wird.

Wenn er nicht gerade an einer seiner Kaffeemühlen oder einem seiner zwölf Fahrräder herumdoktert, singt er Chortenor, wälzt uralte Kochbücher oder erradelt sich abgelegene Ecken im Freistaat.

Weitersagen

Bei CONBOOK erschienen

Der Titel ist in Vorbereitung. Wenn Sie auf dem Laufenden gehalten werden möchten, melden Sie sich für unseren Newsletter an oder folgen Sie uns bei Facebook oder Instagram.

Der Titel ist in Vorbereitung. Wenn Sie auf dem Laufenden gehalten werden möchten, melden Sie sich für unseren Newsletter an oder folgen Sie uns bei Facebook oder Instagram.

Interview

Vollständiger Name: Jens Olaf Berger

Geboren: 1974 in Braunschweig

Warum sind Sie Auto geworden?

Aus Freude an der Sprache und daran, meine Begeisterung für etwas teilen und anderen Menschen neue Perspektiven öffnen zu dürfen, sei es auf neue (und alte!) Musik, fremde, fremdartige oder nur scheinbar vertraute Orte, Sitten und Geschichten.

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Besonders lohnend erwiesen sich mir immer die Lücken im Plan, wenn man nicht nur touristisch auf fester Route unterwegs ist, sondern ohne Zeitdruck losläuft und der Welt Gelegenheit gibt, überraschend in diesen Freiraum einzubrechen, sei es mit Gesprächen, Ein- und Anblicken oder Gerichten und Getränken, die es in noch keinen Reiseführer geschafft haben. Die Reise hat sich jedenfalls gelohnt, wenn der größere Kulturschock bei der Heimkehr passiert, weil man selbst ein Anderer geworden ist.

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Je nach Tagesstimmung, Abenteuerlust und Erholungsbedarf: Kleindingharting bei Inversionswetterlage und Alpensehnsucht, die Innenstadt von Bamberg, der Tuniberg im Breisgau mit Sicht auf Vogesen, Kaiserstuhl und Schwarzwald (abends mit einem Viertele Burkheimer Gewürztraminer), das Röttal, ein Hochtal im äußersten Nordostzipfel Südtirols sowie zurzeit in besonders weiter Ferne: Hawai’is älteste und grünste Insel Kaua’i, das urwaldige Hinterland von Baracoa auf Kuba, die Ostküste Siziliens mit dem mittelalterlichen Fischmarkt von Catania, der Nachmittagstee im Hotel Metropole in Hanoi, die unwirkliche Alhambra in Granada, Wandern in den roten Bergen um Sedona in Arizona bei 30 Grad Lufttemperatur und gleichzeitigem (!) Bodenfrost, der Berg Fansipan in Vietnam an der Grenze zu China.

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen?

König Max II. von Bayern schickte Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals Brauchtumsforscher aus, sein schönes Land zu bereisen, Sitten, Trachten und Dialekte festzuhalten. Das mag a Gaudi gwesn sei! Außerdem hätte ich gerne Humboldt begleitet und beim Entwickeln des neuen Weltbildes beobachtet. Die Gespräche mit ihm wären wohl genauso bereichernde Erfahrungen wie die fernen Länder, Menschen, Landschaften und Tiere. Falls das nichts mehr wird: mit einer kleinen Gruppe begeisterter Küchenchefs auf kulinarische Entdeckungsreise gehen, z. B. in abgelegenere Ecken Spaniens und Portugals.

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Im Gymnasium in Braunschweig meinen patriotisch fränkischen Lateinlehrer für einen Bayern gehalten zu haben. Allzu deutsch-geradeheraus meinen frisch aus China übergesiedelten WG-Mitbewohner auf seinen Mietrückstand hingewiesen und ihn damit seines Gesichts beraubt zu haben.

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

An Bernhard Waldenfels angelehnt: »Fremdheit ist keine Eigenschaft des Gegenübers, sondern meiner Beziehung zu ihm.«

Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft?

Erstmal überallhin, wo es mit Unter-, Nieder-, Mittel- oder Ober- beginnt, vor allem -franken und -ammergau.

Irgendwann vielleicht auch einmal nach Andalusien und Kalabrien; nach Malaysia und Indonesien; nach Peru und Guatemala.

Weitersagen

© istockphoto.com/Luciano Mortula

News

26.2.2021

Geisterpost aus Taiwan

Fernsehtipp für die Arte-Dokumentation von Claudio Sieber und Marita Neher, Erstausstrahlung am 27.2.2021 um 19.30 Uhr

23.2.2021

Tolles Interview mit Claudia Heuermann in der »WELT«

Autorin Claudia Heuermann erzählt von den Höhen und Tiefen des Lebens als Selbstversorgerin.

Alle News

Weitersagen