Karin Kaiser

(© sebastian rosenberg)

Aufgewachsen im Schwarzwald, unterrichtete Karin Kaiser nach einem Kunst- und Pädagogikstudium viele Jahre an Berliner Schulen. In ausgedehnten Zwischenzeiten leitete sie ein Berliner Filmkunsttheater, organisierte Filmreihen und Festivals und leitete ein experimentelles Theater in der Off-Szene.

Die Mitarbeit an einem Soundprojekt führte sie nach Indien – seitdem lässt sie die Liebe und Faszination für das spannende Land und seine Menschen nicht mehr los. Auf zahlreichen Reisen und bei der Zusammenarbeit mit verschiedenen humanitären Projekten lernte Karin Kaiser Indien von allen Seiten kennen. Aus ihrer jahrelangen Erfahrung heraus beleuchtet sie in ihrem Schreiben sowohl die liebevollen Eigenheiten als auch die Schattenseiten einer der vielfältigsten Gesellschaften der Welt.

Karin Kaiser verfasste den Fettnäpfchenführer Indien und legt mit ihrem Krimi Bangalore Masala ein spannendes Werk über Indien vor, das gleichzeitig einen intensiven Einblick in die Kultur bietet.

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Bei CONBOOK erschienen

Interview

Vollständiger Name: Karin Magdalena Kaiser

Warum sind Sie Autor/in geworden?

Weil ich beim Schreiben den Mikrokosmos meines Alltags unter die Lupe nehmen kann und all die Kostbarkeiten, die ich dort entdecke, ausbreiten will. Und weil ich, als Autorin, Leserinnen und Leser dazu einladen möchte, diese Entdeckungen mit mir zu teilen und sich davon berühren zu lassen.

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Reisen ist für mich wie Handstand-Überschlag: Mit Schwung hebe ich ab und erfahre die Welt kopfunter, befreiend fremd und aufregend. Nach einem Wirbel, wieder zurück auf den Füßen, den Kopf durchgeschüttelt, glänzt die alte Welt – Hokuspokus – frisch und neu. Diese Lebendigkeit schätze ich am Reisen.

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Ein grün funkelndes Reisfeld gegenüber dem Pergamonmuseum, dort wo sich das Spreedelta in die Bucht von Bengalen weitet und Fischer auf ihren Katamaranen im gleißenden Sonnenlicht die Linden hinuntersteuern, während sich in der Silberkugel des Fernsehturms die Schneegipfel des Himalayas spiegeln und linkerhand die S-Bahn mit offenen Türen, in denen Trauben von Menschen hängen, den Marine Drive an der Arabischen See entlangschwingt...

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen?

Unbedingt mit Heinrich Harrer nach Tibet.

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Die Tatsache, dass ich am Ende der hinduistischen Hochzeitszeremonie, als die tamilischen Schalmaien schmetterten und die Trommeln feuerten, zwei händevoll Blüten auf den pandit (Priester), statt auf das Brautpaar, geworfen habe. Wunderschön, wie die Blütenblätter über seine braunen Schultern rieselten - und schön peinlich.

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

Das einzig wahre Ziel jener Reise, zu der wir alle mit unserer Geburt aufbrechen, ist vom Außen zum Innen. (Tiziano Terzani)

Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft?

Wer weiß? Ich will einen kürzlich erlebten Traum befragen:
»Aber Oma, Indien ist doch kein Blumenbeet!«, ruft der Kleine.

»Nein?«, frage ich, ohne den Kopf zu heben, meine Wange an die rote Erde geschmiegt, Arme und Finger zur Südspitze ausgestreckt, dort wo die drei Meere das Land berühren.
 »Was denn dann?«, murmle ich glücklich in die aufsteigende Wärme.

»Ein Stern vielleicht? Oder eine Wolke? Eine Kugel?«, rätselt er.

»Nun«, sage ich und grabe meine Zehen am Rand des Himalayas tiefer in den Grund. »Ich will's dir erzählen, wenn ich zurückkomme.«
»Ja!«, wirbelt er herum. »Hier, nimm mein Schwert – falls du Feuerdrachen triffst.«
Okay, alles klar, denke ich. Wissen Sie vielleicht welcher indische Bundesstaat von Feuerdrachen bevölkert wird?

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© istockphoto.com/Mlenny

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