Lisa Graf-Riemann

(© Tina Neuburger)

Lisa Graf-Riemann wurde in Passau geboren. Sie studierte Romanistik und Völkerkunde an der LMU München, in Murcia (Südspanien) und Coimbra (Portugal). Als feste freie Redakteurin war sie bei Kindlers Neuem Literaturlexikon und als Autorin und Redakteurin von Lehrwerken und Lernmaterialien für große Schulbuchverlage tätig. Sie spricht fünf Fremdsprachen und kennt sich auf der Iberischen Halbinsel bestens aus. Ihr Traumkontinent ist Südamerika. Heute lebt sie in den Berchtesgadener Alpen und frönt dort ausgiebig ihrer Berg-Leidenschaft, wenn sie nicht gerade Bücher schreibt oder auf Reisen ist.

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Interview

Vollständiger Name: Elisabeth Josefa Graf-Riemann

Geboren: 1958 in Passau

Warum sind Sie Autorin geworden?

Weil Schreiben das ist, was ich am besten kann. Jedenfalls besser als Brücken bauen, Autos verkaufen, Opern singen, Extremklettern oder Tennis spielen.

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Wir reisen, um uns in Erinnerung zu rufen, dass wir nicht alles wissen. Das hat der Schweizer Philosoph Alain de Botton gesagt. Und dass uns auf Reisen wieder bewusst wird, dass die Welt viel größer, geheimnisvoller und aufregender ist, als es uns vorkommt, wenn wir den ganzen Tag zu Hause sitzen und in unseren Alltag verstrickt sind. Es ist auch eine Möglichkeit, das Staunen wieder zu lernen.

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Ich glaube schon, dass es magische Orte gibt. Das Steinerne Meer in den Berchtesgadener Alpen, direkt vor meiner Haustür, gehört ganz sicher dazu. Auch die wilden Atlantikstrände im Norden Portugals, die Rías in Galicien oder die Atacamawüste im Norden Chiles. Auch Bauwerke können magische Orte sein, wie die maurische Mezquita von Córdoba oder die Alhambra in Granada. Und Begegnungen mit Menschen, egal an welchen Orten der Welt sie stattfinden. Freunde, geistige Verwandte, zu finden, ist überall gleich schön, ob im kroatischen Hinterland oder im guatemaltekischen Urwald.

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen?

Ich hätte gern mit Alexander von Humboldt, trotz Höhenkrankheit und schlechter Ausrüstung, 1802 den Chimborazo in Ecuador bestiegen. Vielleicht hätten wir dann den 6.310 Meter hohen Gipfel doch noch erreicht.

An welcher Expedition würden Sie gerne teilnehmen?

Eine auf die 3.000 Meter hohen Tafelberge in Venezuela, die von den Ureinwohnern tepuis, Häuser der Götter, genannt werden. Sie sind wie Inseln im Regenwald, mit eigenem Klima und endemischer Flora und Fauna. Mein Expeditionstraum für die nächsten Jahre.

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Als Sprachentalent (ich spreche fünf Fremdsprachen) und Schreibende habe ich eine Art siebten Sinn für Menschen und fremde Kulturen. Ich rieche Fettnäpfchen schon von Weitem und meist gelingt es mir, nicht hineinzutreten. Zumindest in den »romanischen« Kulturen, mit denen ich am meisten zu tun habe, bewege ich mich wie ein Fisch im Wasser.

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

»Lese jeden Tag etwas, was sonst niemand liest. Denke jeden Tag etwas, was sonst niemand denkt. Tue jeden Tag etwas, was sonst niemand albern genug wäre, zu tun. Es ist schlecht für den Geist, andauernd Teil der Einmütigkeit zu sein.« (Lessing)

Wohin geht Ihre Reise in der Zukunft?

Das Steinerne Meer und den Untersberg, einen Tafelberg vor meiner Haustür, werde ich auch weiterhin auf verschiedenen Routen durchwandern und durchklettern. Die Tepuis von Venezuela locken aus der Ferne.

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© istockphoto.com/Mlenny

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