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Eine Zeitreise ins Nirgendwo

2015 wanderte Franziska Consolati mit ihrem jetzigen Mann Felix 400 Kilometer durch den Westen der Mongolei. Dass sie ihre Erlebnisse einmal in einer Reiseerzählung festhalten würde, hat sie nicht geplant. Wie es dennoch dazu gekommen ist, dass unsere Leserinnen und Leser jetzt ihre spannende Geschichte durch Ins Nirgendwo, bitte! miterleben können, hat sie für uns aufgeschrieben.

 

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Ich habe eine Zeitreise gemacht.

Kann man das so sagen?

Doch, das stimmt.

Ich habe eine Zeitreise gemacht, weil ich zwar rein physisch nur einmal durch das am dünnsten besiedelte Land der Welt gelaufen bin – in Gedanken war ich aber schon zweimal in der Mongolei. Und das zweite Mal war so intensiv, dass ich mich in manchen Momenten mit geschlossenen Augen glatt selbst hätte anlügen können.

Kennt ihr das, wenn ihr für den Bruchteil einer Sekunde in der Zeit zurückreist und genau wisst, wie ihr euch damals gefühlt habt? Wie es gerochen hat, wie sich der Boden unter euren Füßen und die Sonnenstrahlen auf eurer Nase angefühlt haben?

Genau so hab ich sie nämlich erlebt, meine zweite, gedankliche Reise in die Mongolei. Zum Glück – anders hätte es sicher nicht gut funktioniert, mit dem Buch.

Mein Buch war nie geplant

2015, als mein Reise- und Lebensgefährte Felix und ich aufgebrochen sind, um den Westen der Mongolei zu Fuß und als Selbstversorger zu durchqueren, waren wir ein wenig in – sagen wir mal – einer Sturm-und-Drang-Phase.

Das Abenteuer in der Mongolei war der Start einer Weltreise ohne Ablaufdatum. Wir wollten aufbrechen, wollten los in die weite Welt. Wollten uns selbst austesten, Grenzen finden, sie überwinden, jedem Tag das maximale Lebensgefühl schenken. Das alles wollten wir ganz für uns. Wir wollten niemandem etwas schuldig sein, keine Erwartungen erfüllen müssen und auch keine Enttäuschung verbreiten, falls wir Irgendetwas nicht nachkommen können.

Das Letzte, was mir in den Sinn gekommen wäre: ein Buch zu schreiben. Deswegen hat es auch eine ganze Weile gedauert – vom Abenteuer bis zu Buch. Vier Jahre, um genau zu sein. Allein zwei Jahre hab’ ich gebraucht, um den Wunsch zu entwickeln, unsere Geschichte aus der Mongolei zu teilen.

»War das kein Problem fürs Schreiben?«

»Wie konntest du dich so gut erinnern?«

»Hattest du viele Blockaden?«

»Hättest du dir nicht gewünscht, du hättest damals während der Reise schon gewusst, dass du ein Buch schreiben wirst?«

Ein paar Mal habe ich das schon in kleineren Kreisen erzählt – dass das Buch nie geplant war. Und daraufhin immer dieselben Fragen geerntet. Für die Antworten musste ich noch nie lange überlegen:

»War das kein Problem fürs Schreiben?« – Ganz und gar nicht!

»Wie konntest du dich so gut erinnern?« – Stichwort »Zeitreise«, dazu gleich mehr.

»Hattest du viele Blockaden?« – Weniger als üblich, habe ich mir sagen lassen.

»Hättest du dir nicht gewünscht, du hättest damals während der Reise schon gewusst, dass du ein Buch schreiben wirst?« – Auf keinen Fall!

Bevor ich noch mehr Fragen auslöse, ein bisschen mehr dazu. Vor allem ein paar persönliche Erfolgsfaktoren in Sachen »Zeitreise« und zu der Frage, warum ich unglaublich froh bin, dass ich während der Reise noch nichts von einem Buch geahnt habe.

Meine Erfolgsfaktoren für die Zeitreise

  1. 1.224 Bilder und 144 Videoschnipsel aus der Mongolei haben wir auf verschiedenen Speicherkarten mit nach Hause gebracht. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich jedes Einzelne davon sicher schon 150 Mal angeschaut habe. Mit jedem Durchsehen ist mir ein neues Detail im Bild aufgefallen, zu den Menschen, zur Landschaft. Und mit jedem Detail habe ich mich an ein Gefühl erinnert, das ich zu dem Zeitpunkt mit mir rumgetragen habe. An Gedanken, die mir im Kopf umhergeschwirrt sind. An Gespräche, die Felix und ich geführt haben.
  2. Ganz unabhängig voneinander haben Felix und ich Tagebuch geführt. Nun ja, nicht jeden Tag. Aber sicher jeden dritten. Wir haben viel festgehalten, was man nicht auf den Bildern oder in den Videos sehen konnte. Viele tiefe Gefühle, komische Situationen, besondere Momente. Ängste, Sorgen, Freudensprünge.
  3. Und was außerdem einen entscheidenden Teil zum Erfolg der Zeitreise beigetragen hat: Felix. Ich würde sagen, im Sommer 2018, als ich das Buch geschrieben haben, haben wir mindestens genauso viel über die Mongolei gesprochen wie im Sommer drei Jahre zuvor bei der Reiseplanung.

Ich bin froh, dass ich damals noch nichts vom Buch geahnt habe

All das zusammen – die Fotos und Videos, die Tagebucheinträge und all die Gespräche mit Felix – hat mich so intensiv zurückkatapultiert, dass ich von der Mongolei geträumt habe und nachts aufgewacht bin, um die Zeltheringe im Sturm neu im Boden zu sichern. Dass ich teilweise sauer auf Felix war, weil ich keine Lust mehr hatte weiterzulaufen (auf dem Balkon?) und beim Einkaufen vor dem Regal nur das Nötigste eingepackt habe, weil ich ja schließlich Gewicht sparen musste.

Vielleicht auch, weil mein zweites Mal in der Mongolei so intensiv war, sage ich heute so überzeugt, wie glücklich ich bin, dass das erste, das echte Mal ohne das Buch im Hinterkopf passieren konnte.

Ich bin dankbar, wie ungezwungen die Zeit war. Dass es sich immer nur um das Hier und Jetzt gedreht hat. Um das Allernötigste. Die aktuelle Etappe, genug Essen, genug Wasser, die beste Route. Es hat sich nie um das perfekte Foto gedreht, das nächste Motiv oder ein Video vom Gewitter. Und ich bin nicht sicher, ob es genau das Gleiche gewesen wäre mit dem Gedanken im Hinterkopf, eine möglichst gute Geschichte erleben zu müssen.

In der Mongolei ist passiert, was eben passiert ist. Unser bisher größtes Abenteuer – und ich bin unglaublich glücklich und dankbar für alles, in das es sich hinterher verwandelt hat: für die Zeit, in der wir es ganz für uns hatten. Und für danach, für jetzt, wenn wir all die Geschichten mit euch teilen dürfen.

 

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Kommen Sie mit auf eine Zeitreise – wandern Sie mit Franziska und Felix Consolati Ins Nirgendwo, bitte!


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Die Autorin

Franziska Bär

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