Tarja Prüss

(© Jan Stöver)

Tarja Prüss (1969) ist deutsch-finnische Journalistin, Autorin und Fotografin. Schon als Kind begeisterten sie Schiffe und das Meer, die tagelangen Reisen zu ihren Großeltern in Nordfinnland und Autoscheiben, die im Winter von innen zufroren. Wenn sie die schweren Kähne auf der Ostsee vom Deck bis zur Kajüte tief im Bauch des Schiffes erkundete, sich der Dieselgeruch mit der salzigen Meeresluft vermischte und schäumende Wellen am Bug anschlugen, um den aufziehenden Sturm anzukündigen.

Aufgewachsen in Bremen studierte sie in Konstanz Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie, landete beim ersten Privatradio Bayerns und erlag der Magie des Radios und des Bodensees. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet sie beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk ORF, leitete als CVD die Nachrichtenredaktion und macht aktuelle Beiträge für Radio, Fernsehen und online.

In Finnland hat sie sich noch einmal ganz neu verliebt, als sie das Land monatelang allein erkundete. Seither ist es ihre große Leidenschaft, die sie mit viel Herzblut auf Tarjas Blog teilt, für den sie 2018 mit dem Scandinavian Travel Award ausgezeichnet wurde.

Heute lebt sie am bayerischen Bodensee und pendelt zwischen Österreich, Deutschland und Finnland. Sie liebt Kaffee, Tretschlitten und Lakritz.

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Interview

Vollständiger Name: Tarja Katrina Prüss

Geboren: 1969 in Bremen

Warum sind Sie Autorin geworden?

Schreiben ist ja auch irgendwie reisen – reisen im Kopf – reisen zu sich selbst. Wenn der Stift übers Papier fliegt, sich die Worte gegenseitig an die Hand nehmen und zu Sätzen verbinden, dann kommt es mir oft vor wie eine innere und äußere Reise. Manchmal fliegen sie auch fort, die Worte, dann beginne ich meist zu fotografieren. Oder anders gesagt: wenn die Worte enden, fangen die Bilder an. Und wo die Bilder enden, da kommen dann wieder die Worte. Wie sich dann alles noch einmal schärft, als würde man es unters Mikroskop legen. Ich finde es unfassbar spannend, mich den Dingen über Worte zu nähern, zu experimentieren und heraus zu kristallisieren, wie Denken, Wünsche, Hoffnungen, Erlebtes in Sprache finden. Worte sind mein Werkzeug, das Schreiben ein kreativ-schöpferischer Prozess.

Was empfinden Sie an Reisen als lohnenswert?

Man kann Tiefschläge wegreisen, sagt Matthias Politycki, der ein wunderbares Buch über das Reisen geschrieben hat. So gesehen habe ich meine Trauer weggereist. Reisen ist keine Flucht, sondern im Gegenteil eine Reise zu sich selbst. In der Fremde nehmen wir alles um uns herum intensiver und genauer wahr, all unsere Sinne kommen zusammen und werden geschärft. Tastend, lauschend, manchmal stolpernd und oft staunend entdecken wir die Welt neu. Und auf den Pfaden der Neugier liegen zahllose Schätze verborgen, die unser Leben bereichern. Momente des Staunens und der einzigartigen Begegnungen. So gesehen ist Reisen wie praktische Philosophie – Erkenntnisgewinn, der nur möglich ist, wenn man seine eigenen vier Wände verlässt. Enttäuschungen, Niederlagen und Scheitern miteingeschlossen. Sie sind wie die Prise Tabasco, die ein gutes Essen unvergesslich macht.

Gleichzeitig ermöglicht das Aufbrechen auch, das Selbstverständliche, das im toten Winkel des Zuhauses unbemerkt dahin dämmert, wieder wahrzunehmen. Das eigene Selbstverständnis braucht also sowas wie Distanz, um bislang unhinterfragte Selbstverständlichkeiten, den Bodensatz von Vorurteilen, offenzulegen. So bekommt Reisen auch einen gewissen Tiefgang.

Und manchmal lässt es sich kaum unterscheiden: ist es Aufbruch oder Heimkehr – Reisen oder Ankommen. In jedem Fall steckt eine große Portion Sehnsucht drin.

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt? 

Ganz klar: Finnland – egal ob Helsinki oder Lappland, See oder Wald, Bikini oder Schneetreiben. Wenn ich nach Finnland komme, fühlt es sich immer wie heimkommen an. Dann erlebe ich zeitentrückte Momente – sei es eine mutige, durch Wind und Kälte krumm gewachsene Birke, eine Flechte, die es durch einen winzigen Schlitz zwischen zwei Felsen schafft zu überleben oder die Mitternachtssonne, die sich beharrlich weigert, hinterm Horizont zu verschwinden. Dann versinke ich im Hier und Jetzt. Oder auch, wenn ich dann nach ausgiebiger Sauna irgendwo auf einen spiegelglatten See schauen kann, um mich herum sonst nur Wald und Stille, dann verspüre ich pures Glück. Ähnlich starke Glücksgefühle lösen Polarlichter in mir aus, wenn Lady Aurora über meinem Kopf über das Firmament tanzt. Dann vergesse ich klamme Finger, klirrende Kälte und Angst vor nächtlicher Schwärze. Dann staune ich jedes Mal von Neuem über die Wunder der Natur.

Haben Sie eine Erkenntnis, die Sie loswerden möchten?

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff)

An welcher Expedition hätten Sie gerne teilgenommen oder würden Sie gerne teilnehmen?

Mit Roald Amundsen aus Norwegen wäre ich gerne um die Wette gelaufen gegen den Briten Robert F. Scott. Fünf Menschen und 18 Hunde und ansonsten nur Eis und Himmel, Himmel und Eis – ein dramatisches Wettrennen, wer als erster den Südpol erreicht. Und ob es überhaupt jemand überlebt. Heute scheinen alle Ecken der Welt erkundet zu sein.

Angesichts des schmelzenden Eises waren Eric Larsen und Ryan Waters möglicherweise die letzten, die als 46. und 47. Mensch 2014 zu Fuß den Nordpol erreichten.

Vielleicht ist es auch diese Wehmut, die meinen Traum befeuert, irgendwann mal in die Arktis reisen zu dürfen. Die Stille auszuloten, die Kälte zu spüren, die Blauheit der Dunkelheit einzufangen und die gewaltige Natur mit eigenen Augen zu sehen.

Welches kulturelle Missverständnis nagt immer noch an Ihnen?

Ich ging noch nicht in die Schule. Konnte auch noch nicht Fahrradfahren, dafür hatte ich immer Teddy und Schnuller dabei. Im Supermarkt sagte meine Mama etwas zu mir. An den Inhalt selbst kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an meine Antwort: »Mama, sprich ordentlich mit mir!« Ich wollte nicht, dass sie auf diese Art mit mir sprach. Diese Geheimsprache, die sonst niemand beherrschte in meiner Umgebung. Ich wollte sein wie alle anderen Kinder – und irgendwie passte diese Geheimsprache nicht dazu. Hatte noch keine Worte für »Deutsch« und »Finnisch«. Das war zugleich das vorläufige Ende meiner zweisprachigen Welterforschung. Erst später erkannte ich es als großes Geschenk. Heute erforsche ich umso lieber die sprachlichen Unterschiede, was in einem deutschen Begriff unausgesprochen und ganz anders mitschwingt wie im finnischen Zwilling – und umgekehrt. Das schafft zugleich neue Nuancen auf der breiten Farbpalette der Wörter.

Wohin geht Ihre Reise in die Zukunft?

Am liebsten möchte ich weiterhin »auf Reisen gehen« – im Unterschied zu Urlaub machen, oder idealerweise beides verbinden. Reisen ist für mich Neugier, Staunen, Erkenntnisgewinn, wenn man Augen und Ohren aufhält und bereit ist für neue Erfahrungen. Ungefiltert, unzensiert, unverbraucht. Das Ziel ist dann gar nicht so wichtig. Der Weg, die Begegnungen und die einzigartigen Momente sind die Werte einer geglückten Reise. Aber mein Kompass zeigt weiterhin Richtung Norden, da bin ich mir ziemlich sicher.

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© istockphoto.com/Luciano Mortula

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»Zeit als Ziel«-Autor Oliver Lück liest am 4. Februar 2020 um 20:30 Uhr bei Globetrotter in Hamburg-Barmbek.

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